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06.05.2010 | the nature network®

Nachhaltiger Sennes-Anbau in Indien

Zusammen mit Traditional Medicinals startete die Martin Bauer Group im Mai 2009 in der nordindischen Thar-Wüste das Projekt Revive!. Innerhalb von nur 18 Monaten haben sich die Lebensbedingungen in dem Sennes-Anbaugebiet grundlegend verbessert.


Sennesbauern begutachten Sennes-Pflanzen auf dem Feld

Die Martin Bauer Group lebt Nachhaltigkeit. Wie hier in der nordindischen Thar Wüste setzt sich die Unternehmensgruppe ein für bessere Lebensbedingungen ihrer Anbauer und deren Familien.

Sennes Anbau auf einem Feld

Sennesfeld in Indien.

Blühende Sennespflanze

Blühende Sennespflanze

Trinkwasser ist in der Thar Wüste knapp, bestehende Wasserreservoirs häufig versandet und die nächste Wasserstelle meist mehrere Kilometer entfernt. Um das lebensnotwendige Nass in die Dörfer zu schaffen, legen die Menschen in der nordindischen Region tagtäglich lange Wege zurück. Traditionell sind es vor allem die Mädchen und Frauen, die – mit schweren Wassergefäßen auf dem Kopf – täglich bis zu acht Stunden unterwegs sind. Dies hat wiederum die Konsequenz, dass allein aus Zeitgründen der Schulbesuch für die Mädchen nicht möglich ist und Analphabetismus unter Mädchen und Frauen weit verbreitet ist. Aber auch die Jungen in dem nordindischen Trockengebiet lernen häufig weder Lesen noch Schreiben. Der Grund: Die Familien haben nicht genügend Geld, um das Schulgeld zu begleichen, geschweige denn eine Unterkunft an der meist weit entfernten Schule zu bezahlen.

Dürre und Ernteausfälle

Gerade einmal bei 100 bis 200 Millimeter liegt die jährliche Niederschlagsmenge in der Thar Wüste. Im Vergleich: In Deutschland zählen wir Niederschlagsmengen von 500 bis 1.000 Millimetern. Dazu kommt, dass der Regen in dem Trockengebiet fast komplett auf einmal während des Südwestmonsuns von Juli bis September fällt. So wundert es nicht, dass die Bevölkerung bei längeren Dürreperioden unter Ernteausfällen, Hunger und gesundheitlichen Problemen zu leiden hat.

Sennes – ein Weg aus der Armut

Eine der wenigen Pflanzen, die in den unwirtlichen Bedingungen der Thar Wüste trotzdem optimal gedeiht, ist der Sennes-Strauch. Ursprünglich nur im Süden Indiens angebaut, wird die Heilpflanze mittlerweile auch in der nördlichen Region angepflanzt. Mit dem Beginn des Sennes-Anbaus vor rund 15 Jahren haben die Menschen aus dem Wüstengebiet eine Lebensgrundlage gewonnen. Warum die Region auch für die Martin Bauer Group als Anbaugebiet so interessant ist, erklärt Mattias Kohrt, Einkauf pflanzliche Rohstoffe bei Martin Bauer: „In der Thar Wüste können wir die Gefahr von Luftverschmutzung und Cross-Kontaminationen quasi ausschließen. So erreichen wir eine hochwertige Bio-Qualität.“ Oliver Hack, Leiter Verkauf bei Martin Bauer, ergänzt: „Diese hohe Qualität erhalten wir aber nur, wenn wir uns auf unsere Anbauer vor Ort langfristig verlassen können. Deswegen ist es für uns wichtig, dass die Region wirtschaftlich wie sozial stabil ist. Und dafür sind wir gerne bereit, auch aktiv mitzuhelfen.“ Ein Fünf-Jahres-Programm, das umfangreiche Hilfsmaßnahmen für die Menschen in den sechs Sennes-Dörfern umsetzen wird. Die Leitung des Hilfsprojekts übernahm die regionale, unabhängige Hilfsorganisation GRAVIS zusammen mit einem 15-köpfigen, neu gegründeten Dorf-Entwicklungs-Komitee.

Vieles auf den Weg gebracht

Seit dem Projektstart im Mai 2009 hat sich vieles getan: Zunächst wurden 30 so genannte „taankas“ gebaut. Jeder dieser Wasserspeicher reicht aus, um eine siebenköpfige Familie für bis zu einem halben Jahr mit Wasser zu versorgen; weitere 20 taankas befinden sich im Bau. Zusätzlich wurden 13 so genannte „khadis“ gebaut; sieben weitere werden ebenfalls gerade angelegt. Mit dieser traditionellen Methode können größere Wassermengen gespeichert und so rund 100 Hektar mit Grundnahrungsmitteln bewirtschaftet werden. Dazu legte das Projektteam zusammen mit den Anbauerfamilien 50 Gärten neu an, in denen Obst- und Gemüsearten wachsen, die auch in trockenen Gebieten gedeihen. Und auch die medizinische Versorgung der insgesamt rund 300 Anbaufamilien wurde wesentlich verbessert. So fanden Trainings statt, um die Bevölkerung über gesundheitliche Risiken, Versorgungsmaßnahmen und Behandlungsmöglichkeiten aufzuklären. Denn aus religiösen und kulturellen Gründen stehen die Menschen der abendländischen Medizin zunächst oft kritisch gegenüber. Darüber hinaus wurden außerdem mobile medizinische Camps errichtet. „Mit der Unterstützung von Gravis haben wir bereits einen wirklich schönen Erfolg in dieser kurzen Zeit erzielt“, resümiert Oliver Hack. „Und die nächsten Maßnahmen sind bereits geplant. So sind derzeit zwei Grundschulen und mehrere Gemeinschaftszentren im Bau.“